Ein Fellmerciat 124
Als er noch nur ein altes Auto war
Ein kleiner Unfall
Und alles wird anders
Ein Auto zum Kuscheln
Das traurige Ende

Automobile Kuriositäten

Ein lustiges und kurioses Geschütz war der Fellmerciat.

Auf dem Foto oben war er noch ein ganz ge-wöhnlicher alter Fiat 124. In diesem langweiligen Zustand diente er mir einige Monate fast klaglos. Nur als es darum ging, jeden Tag mit der Arbeit zu beginnen, tat er sich schwer. So ein Auto ist eben auch nur kein Mensch. Durch meine sorgfältige Ausbildung war es mir aber möglich ihn von sei-nem Leiden zu befreien. Er bekam einen neuen gebrauchten Anlasser.

Nachdem nun also dieser italienische Hengst von seiner Macke kuriert war und mir fortan unstan-desgemäß auch als Packesel diente, fand mein Vater ausreichendes Interesse an dem an-spruchslosen Transportmittel. So kam es, dass er mir eines Tages einen Fiat 850 Sport aus Ham-burg, wo er lebte, mitbrachte und hoffte meine Begeisterung für  diesen kleinen Flitzer zu wecken. Seine Hoffnungen wurden erfüllt. Das war echt eine geile Karre.

Aber zurück zum 124er. Der war natürlich wesent-lich geräumiger als der kleine 850er. Und weil dieses Attribut meinem Vater sehr gelegen kam, verschleppte er den armen alten Fiat nach Ham-burg, wo er sich nun überhaupt nicht aus-kannte (der Fiat). Und so kam es, dass die Götter der Ver-kehrsumsicht ihren Job nur halbherzig machten und einen anderen Autofahrer die gewisse "rechts vor links" Regel als gegenstandslos erklären ließen.

Das traurige Ergebnis seht ihr links.

 

Die Hüter der Ordnung und anderer Sachen hat-ten wohl ein Einsehen und erkannten schlagartig, dass der Gebrauchtwagen wohl noch gut zu Rad war, aber mit solch scharfkantig hervorstehenden Teilen dürfe er keineswegs mehr im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden. Die Verletzungs-gefahr für Fußgänger und Radfahrer bei unge-wolltem Kontakt sei zu groß.

Niedergeschlagen, traurig und erbost ob der Ungerechtigkeit der Sache, der Polizisten, der Welt und des Universums chauffierte mein Vater den angeschlagenen Held der Landstraße in seine Heimat(werk)statt. Wegen der Tatsache der bal-digen Hauptuntersuchung beim Verein Gnaden-los mussten sich die finanziellen Aufwendungen der Gesichtschirurgie in Grenzen halten.

Geld in die Hand nehmen wollten wir nicht, also mussten wir eine Bestandsaufnahme unseres bescheidenen Lagers vornehmen. Da war aber nix.

Mein Vater war ein leidenschaftlicher Sperrmüll-sammler in Hamburg. Sperrmüll ist kein Müll - jedenfalls damals nicht - sondern ein fast uner-messlich großer Fundus an Wertgegenständen. Man kann sich beinahe gar nicht vorstellen, was die Leute glauben alles nicht mehr brauchen zu müssen.

Ein paar Wochen vorher fand mein Vater mehrere

Säcke mit völlig sauberen Schafsfellen. Heute ein Vermögen. Damals wahrscheinlich auch nicht wenig wert. Also beschlossen wir, mittels einer Heißklebepistole, die damals ziemlich neu auf dem Markt waren, einige der Felle zur Abdeckung der schadhaften Stellen zu benutzen. Dass das ein bisschen dämlich aussehen würde, war uns schon klar.

Zuerst brachte ich ein Stück Blech in die grobe Form des Kotflügels, erhöhte ihn dabei absichtlich ein wenig und wiederholte diese kunstvolle Tätigkeit auf der anderen Seite.

Die Motorhaube, welche bei diesen Fahrzeugen vorn angeschlagen war, wurde entfernt und einem Schrotthändler überlassen. Sie wurde ersetzt durch ein edleres Stück von einem alten Mercedes. Und weil eben der Grill eigentlich zu hoch war und somit die Haube vorn höher kam, mussten die Kotflügel vorn erhöht werden. Die Felle dienten sozusagen als Spachtelmasse-Ersatz. Außerdem wurde damit die passive Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer erheblich erhöht. Wir waren unserer Zeit also weit voraus.

Als Scharniere für die Haube dienten künftig zwei Blechstreifen, die sowohl an der Haube als auch am Fahrzeug angepoppt wurden. Damit die molekulare Struktur derselben sich nicht durch häufiges Biegen veränderte und sie deshalb brachen, durfte die Motorabdeckung nicht allzu oft geöffnet werden.

Hinter dem Kühlergrill wurde ein Lautsprecher montiert, der mit dem Kassettenrekorder im Fahrgast-raum verbunden war. Wenn mein Vater oder ich das Gefährt irgendwo parkten, versäumten wir nie, diesen in Betrieb zu setzen. Wenn sich Neugierige um das bepelzte Ungetüm versammelten, sorgten wir mittels eines versteckten Zugschalters im Fell für die Beschallung der Umwelt mit Schafsblöken. Vor allem Kinder fühlten sich dann bemüßigt, das leblose Schaf zu streicheln. Zur Beruhigung des Deutsch-Italieners klopften

wir dann auf die entsprechende Stelle und betätigten auf diese Weise den Zugschalter durch herun-terdrücken, wodurch das vermeintliche Schaf sein Blökkonzert einstellte.

Bleibt noch zu berichten, dass die Gesetzeshüter jedes Mal freundlich lächelnd grüßten, wenn sie des Kuschelautos ansichtig wurden.